NaturFreunde unterstützen Resolution zum Insektensterben

Die NaturFreunde unterstützen die gemeinsame Resolution der Naturschutz- und Umweltschutzverbände in und um Karlsruhe, die sich gegen das anhaltende Insektensterben und den Vogelschwund wendet.

 

Die Resolution im Wortlaut:

2. Februar 2017

Insektensterben / Vogelschwund

Gemeinsame Resolution der Naturschutz- und Umweltschutzverbände in und um Karlsruhe, namentlich

- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Regionalverband Mittlerer Oberrhein

- Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (LNV), Arbeitskreis Karlsruhe, insbesondere die im Arbeitskreis mitwirkenden Verbände - NaturFreunde Landesverband Baden e.V., Bezirk Mittelbaden - Arbeitsgemeinschaft Oberrheinische Waldfreunde e.V.

- Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), Kreisverband Karlsruhe

Bei Honig- und Wildbienen, Schmetterlingen und vielen anderen Insekten ist schon seit einiger Zeit ein dramatischer Rückgang an Arten- und Individuenzahlen zu beobachten. Der NABU und der Entomologische Verein Krefeld haben in Nordrhein-Westfalen in den letzten 10 – 15 Jahren einen Rückgang von bis zu 80 % festgestellt!* Während vor Jahren im Sommerhalbjahr nach jeder längeren Autofahrt bei trockenem Wetter die Windschutzscheibe voller verendeter Insekten war, sind heute kaum noch Insektenopfer an den Scheiben zu beobachten.

Aber nicht nur die Insekten nehmen ab: Bei der „Stunde der Wintervögel 2017“ wurde bundesweit, über alle Vogelarten gemittelt, ein Schwund von ca. 15 % ermittelt, bei einigen, gerade häufigen Arten wie Blau- und Kohlmeise auch mehr als 30 %, regional mehr als 50 %. Viele können diesen Trend durch Beobachtungen am Futterhaus im eigenen Garten bestätigen. Insekten- und Vogelschwund hängen miteinander zusammen; sehr viele Vogelarten ernähren sich – direkt oder indirekt – von Insekten. Das heißt: keine Insekten  keine Vögel!

Zwei Hauptursachen sind für das Insektensterben auszumachen:

  1. Der Pestizideinsatz in der Intensiv-Landwirtschaft; Insektizide führen direkt, Herbizide („Unkrautvernichter“) indirekt (Verlust an Nahrungspflanzen) zum Insektenschwund.
  2. Der Mangel an blühenden Pflanzen in der Natur; zu beklagen ist auch außerhalb von Ackerflächen ein "extremer Mangel an geeigneten blühenden Wildkräutern, die Landschaft wird zunehmend von Gräsern dominiert".** Auch in Privatgärten finden sich immer weniger Pollen und Nektar spendende Blühpflanzen.

 

Wir fordern deshalb bzw. rufen dazu auf:

- Restriktive Regelungen zum Pestizideinsatz; insbesondere ein vollständiges Verbot
besonders gefährlicher Substanzen wie des möglicherweise krebserzeugenden
Herbizids Glyphosat und der extrem bienengiftigen Neonikotinoide.

- Eine stärkere Förderung der biologischen Landwirtschaft – auch jeder Einzelne kann
durch Kauf von Bioprodukten dazu beitragen.

- Absoluter Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden im Privatgarten und auf privaten
Obstgrundstücken.

- Keine „toten“ Schotterbeete, sondern blühende Blumenbeete anlegen – aber bitte nicht
mit hochgezüchteten („gefüllten“) Sorten, die weder Pollen noch Nektar als
Insektennahrung anbieten.

- Rasenflächen nicht ständig extrem kurz halten, sondern durch etwas selteneres Mähen
zumindest ein paar Gänseblümchen, Klee oder Löwenzahn zum Blühen kommen
lassen.

- Alle Grünflächen, die nicht regelmäßig betreten werden müssen, Wiesen, Wegränder,
Acker- und Gewässerrandstreifen, Damm- und Straßenböschungen höchsten zweimal
im Jahr mähen unter Abräumen des Mähgutes von der Fläche. Nicht mulchen! Denn die
Mulchschicht unterdrückt das Aufkeimen von Blühkräutern und führt zur flächigen
Nährstoffanreicherung, so dass fast nur noch wuchsstarke Gräser wieder hochwachsen.

- Bei der Anlage von Blühflächen oder Blühstreifen Saatgut von regional heimischen
Blühpflanzen verwenden; auch diese Flächen maximal zweimal, besser nur einmal im
Jahr (Spätherbst oder zeitiges Frühjahr) mähen, damit die Samen ausreifen können.

- Belassen und tolerieren von Brach- und Ruderalflächen wo immer möglich, da sie
standorttypische und für viele Insekten wichtige Wildpflanzen ausbilden, die auch in
vielen Blühmischungen nicht vorhanden sind. Diese Flächen bieten neben
Nahrungsrevieren auch Reproduktions- oder Ruhezonen für Vögel, Kleinsäuger und
Insekten, da sie nicht bearbeitet und somit in ihrer Gesamtstruktur nicht verändert
werden.

 

Gezeichnet:

- Armin Gabler, BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein

- Dr. Klaus-Helimar Rahn, LNV-Arbeitskreis Karlsruhe

- Artur Bossert, NABU Kreisverband Karlsruhe

- LNV-Arbeitskreis Karlsruhe, NABU Kreisverband Karlsruhe

- Joachim Schröder, NaturFreunde Bezirk Mittelbaden

- Prof. Robert Mürb, Arge. Oberrheinische Waldfreunde

 

*) https://www.nabu.de/news/2016/01/20033.html
http://www.derwesten.de/region/neuartiges-insektensterben-es-summt-und-brummt-nicht-mehr-id11151275.html

**) idw-online.de/de/news662155

Anhänge:
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